„Vom Ersten Weltkrieg zur EU“ – Lehrkräfte Essener Europaschulen bilden sich fort

Fortbildung
Kriegsgräberfürsorge
S 206

Am Dienstag, dem 26. Februar 2019, hingen im Treppenhaus des Robert-Schuman-Berufskollegs gleich mehrere solcher Schilder aus, die von den passierenden Schülerinnen und Schülern sowie Kolleginnen und Kollegen mit einer gewissen Verwunderung gelesen wurden. Warum bloß beschäftigten sich Lehrkräfte an einer kaufmännischen Schule im 21. Jahrhundert mit Kriegsgräbern?

Tatsächlich traten an jenem Tag 14 Lehrerinnen und Lehrer von sieben Essener allgemeinbildenden und berufsbildenden Schulen zusammen, um an einer Veranstaltung des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge e. V. teilzunehmen. Ihr gemeinsames Interesse: Europa. Anhand der Kriegsgräberstätten und weiterer Erinnerungsorte im Essener Stadtgebiet ließ sich die Geschichte vom Ersten Weltkrieg bis zur Bildung der friedenssichernden EU nachvollziehen.

Bei frühlingshaftem Wetter spazierten wir zum Hotel Handelshof, das Tagestouristen heutzutage in der „Einkaufsstadt“ begrüßt, Hitler und Mussolini aber noch im letzten Jahrhundert in der „Waffenschmiede Europas“ willkommen geheißen hat. Wir vernahmen die Anekdote vom „wachsamen Hähnchen“, das, eingekeilt zwischen Peek & Cloppenburg und Primark, an die Toten des Ersten Weltkriegs erinnert, und gedachten an der (sich in einem desolaten Zustand befindlichen) Stätte Schwarze Poth der Zwangsarbeiter des gleichnamigen KZ-Außenlagers, die zur Trümmerbeseitigung und -wiederverwertung in der bereits überwiegend zerstörten Innenstadt genötigt wurden.

Den Schwerpunkt der Veranstaltung bildete jedoch der Besuch des Parkfriedhofs in Essen-Huttrop. Vor den verschiedensten Gräberfeldern wurden uns Beispiele für die auf Friedensfähigkeit und Verständigungsbereitschaft zielende Jugend-, Schul- und Bildungsarbeit vorgestellt. Denn hinter jedem Grab steht eine individuelle Biografie, welche die Geschichte der Kriege greifbarer machen kann: Die Zwangsarbeiter/innen und Kriegsgefangenen auf den Kriegsgräberstätten sind Zeugen der Kriegswirtschaft und der (Rassen-)Ideologie der Nationalsozialisten; die zivilen Bombenopfer machen deutlich, dass der Krieg nicht nur an der Front stattgefunden hat; die Soldaten werfen die Frage und Diskussion nach dem Begriff „Kriegsopfer“ auf. So betreiben Schüler/innen im Rahmen des Projekts „Wenn nur noch Steine bleiben“ des Volksbunds Deutsche Kriegsgräberfürsorge e. V. etwa biografische Recherchen zu KZ-Insassen oder aber sie leisten ganz praktische Arbeit, indem sie deren Gräber pflegen.

Dass die Europäische Union im Jahr 2012 den Friedensnobelpreis erhalten hat, wird vor diesem Hintergrund plausibel.

Kirsten Ott, Europakoordinatorin


Freitag, 19.07.2019 - Unterrichtsfrei WFS

Freitag, 23.08.2019 - Ende Praktikum Assistenten

Montag, 26.08.2019 - Schriftliche Nachprüfungen/Nachversetzungen (zweijährige HöHa / Assistenten)